Elki-Palki: slow food Kette auf Russisch

Logo vom  Elki Palki

Elki Palki

Das Elki-Palki (russ. „Ёлки-Палки“ zu deut. Tannen-Stöcke) habe ich 2011 bei meiner ersten Sankt Petersburg Reise auf der Wasilewki-Insel für mich entdeckt. Seit dem gehört auf jeder Reise, sei es nach Moskau oder Sankt Petersburg ein Besuch in einem der mittlerweile unzähligen slow food Restaurants zum Pflichtprogramm.

Die Franchise Kette hat sich auf die schmackhafte und sättigende russische Küche spezialisiert. Das es hier richtig russisch zugeht, wird einem spätestens beim Betreten der Lokalitäten klar. Die Innenräume sind mit typischer, russischer Holzstamm-Bauweise dekoriert. Einzelne Bereiche sind mit Holzstämmen voneinander abgetrennt. Auch das Personal lässt sich nicht Lumpen. Die Bedienung trägt eine einheitliche russische Tracht; die Damen einen roten Sarafan mit goldenen Ornamenten an den Ärmeln und die Männer ein weites, rotes Trachten-Oberhemd und dunkle Hosen.

Telega Elki-Palki

Telega im Elki Palki in Moskau. Foto: Elki-Palki

Kommen wir nun zum Hauptanliegen unseres Besuches hier – dem Essen. Wer es eilig hat, dem sei eine Telega (zu deut. Pferdewagen) empfohlen. Eine Buffet-Auswahl an kalten Speisen. Vor allem Salate, wie der „Hering unter dem Pelzmantel“ – Heringstücke unter gekochtem und zerkleinertem Gemüse und Sahne oder Mayo werden hier einem geboten, aber auch eingelegte Pilze, Gurken, Tomaten. Heiße Kartoffeln und Buchweizengrieß werden als Beilagen zusätzlich angeboten. Jeder Gast, der sich für eine Telega entscheidet, bekommt einen Teller und ist gleich mit 395 Rubel (ca. 9 Euro) dabei. Kann sich dafür aber an den Leckereien satt essen. Anzumerken bleibt, dass das Buffet ab und an sehr knoblauchlastig ist. Was den Geschmack nur in positive Richtung beeinflusst.

Für alle, die noch mehr von der russischen Küche entdecken möchten, gib es Speisen à la carte. Unbedingt ausprobieren solle man die Knoblauchspeck-Platte mit Schwarzbrot und dazu einen guten russischen Wodka. Das aber wegen des Wodkas vielleicht eher zum Schluss. Wir beginnen mit einer leckeren Suppe. Dabei kann man überaus den Bortsch, die Pilzsuppe oder auch die Soljanka empfehlen. Die Soljanka ist jedoch nicht mit der Ost-Deutschen Soljanka zu vergleichen. Die russische Soljanka ist viel flüssiger und klarer und hat eine Gemüse- und Fleischeinlage.

Pelmeni: handgemacht im Elki-Palki

Handgemachte Pelmeni. Foto: Elki-Palki

Nach dem „Ersten Gang“, so heiß der Suppengang in Russland, empfehle ich einfach nach Herzenslust die komplette Karte kreuz und quer zu bestellen. Frei nach dem Motto – es wird bestellt, was mir gefällt.  Es gibt Piroggen (gebratene Teigtaschen mit Füllung), Pilmeni (gekochte Teigtaschen mit Hack), Blini pur und mit rotem Kaviar (als Pfann- oder Eiekuchen bekannt), Olad’i (dickere Eierkuchen), Draniki (Kartoffelpuffer), Wareniki (gekochte Teigtaschen mit Frischkäse oder Kirschen), Buletten mit Kartoffelpüree, Schaschlik, Hering mit Kartoffeln und Zwiebeln (gut zum Nachbeißen, wie die Russen den Happen Essen nach dem Wodka nennen). Zu allem gibt es viel Sahne und wo es nur passt Dill. Jetzt noch die Speckplatte und einen guten Tropfen bestellen – voilà!

Damit den Kunden nicht langweilig wird, tanzen in manchen Restaurants der Kette zwei junge Damen zu lauter Folklore alle Dreiviertelstunde einpaar russische Tänze und bieten dann recht günstig einen Moosbeeren-Schnapps als Absacker.

Sehr gut gesättigt und bei bester Laune lässt man in etwa 1000 Rubel pro Besuch und Person im Elki-Palki. Das entspricht beim aktuellen Kurs ca. 23 EUR.

Prijatnogo appetita (Приятного аппетита)! Wohl bekommt’s!

Wo finde ich das Elki-Palki?

Sankt Petersburg, Russland, 190000

11 корпус 2, Sankt Petersburg, Russland, 190000

88, Sankt Petersburg, Russland, 190000

175, Sankt Petersburg, Russland, 196070

137, O'KEY, gipermarket, Sankt Petersburg, Russland, 190000

9, Sankt Petersburg, Russland, 190000

Veröffentlicht unter Essen, Kultur, Sankt Petersburg | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sankt Petersburg: „Im Warmen“ speisen – Restaurant Teplo

Restaurant Teplo Logo

Restaurant & Hotel „Teplo“

„Guten Tag! Jetzt sind Sie im Warmen!“, so begrüßt einen die Website des Restaurants „Teplo“ (russ. für warm, Wärme) und so fühlt man sich auch, wenn man dieses Restaurant mal persönlich aufsucht.

Der Innenhof des Jugendstil-Hauses in der Bolchaja Morskaja Str. 45 in Sank Petersburg unweit der Isaak Kathedrale ist durch eine unscheinbare Passage erreichbar. Nur ein kleiner Aushang „Teplo“ an der Hauswand macht auf das Restaurant aufmerksam. Die 10 bis 12 Tische, mit einem halbhohen, verschnörkelten Metallzaun umgeben und mit vielen Blumentöpfen und einer Lichterkette dekoriert, versprühen bereits beim Betreten des Innenhofes mediterranen Flair und ebendiese Wärme, die das Lokal im Namen trägt.

Terrasse im Restaurant Teplo

Terrasse im Innenhof des Restaurants Teplo in Sankt Petersburg. Foto: Restaurant Teplo

Die Terrasse wird in den Sommermonaten sowohl von gut informierten Touristen aber vor allem von Einheimischen sehr rege genutzt – eine Tisch-Reservierung ist deshalb sehr zu empfehlen. Bei Regen, der in Sankt Petersburg durch die Nähe zum Meer nicht unüblich ist, werden die beiden Markisen aufgespannt. Sie bedecken die komplette Terrasse und sorgen so für noch mehr Stimmung und Wärme, während der Regen auf die Dächer und in die Fenster der umliegenden Häuser niederprasselt. Im Sommern empfiehlt sich diese Kulisse für einen leichten Weißwein aus Österreich, Frankreich, Italien bzw. Portugal, die Weinkarte hat hier einiges zu bieten, oder einen Cocktail in geselliger Runde.

Die Wärme vom „Teplo“ kann nicht nur in den Sommermonaten genossen werden. Insbesondere an kalten Wintertagen lohnen sich die wenigen, mit Fanpost aus aller Welt dekorierten Treppenstufen in das Untergeschoss des anliegenden Hauses. Hier befindet sich das Herzstück des Lokals.

Teplo Innen

Foto: Restaurant Teplo

Liebevoll und mit viel Blick für Details dekorierte Räume bringen auch hier ein Stückchen Frankreich und England nach Sankt Petersburg ohne dabei viel eigener, russischer Identität zu verlieren. Trotz des relativ kleinen Raumes schaffte es die Besitzerin einige Themenbereiche in einem zu vereinen. So hat man die Auswahl zwischen runden und eckigen Vierer-Tischen, kleineren Sitzecken mit Sofas und Sesseln und der Krönung – einem U-Förmigen-Sofa direkt vor dem gemauerten Kamin. Dieses „kleine Wohnzimmer“ ist vom Rest des Lokals durch einen Bücherschrank mit mannigfaltiger Literatur in diversen Sprachen getrennt und dennoch nicht komplett vom abendlichen Gewusel abgeschnitten.

Teplo am Kamin

Im Teplo am Kamin. Foto: Restaurant Teplo

Die Literaturauswahl der Teplo’schen Bibliothek (kann hier in russ. eingesehen werden) ist auf russischsprachige Bücher nationaler und internationaler Autoren beschränkt, nicht jedoch das Menü. Auf Nachfrage erhält man eine perfekt übersetzte englischsprachige Karte, die neben der bereits erwähnen Auswahl an Weinen, so einige Überraschungen für die Gaumen der Besucher in sich trägt.

Wann hat man schon das letzte Mal eine Sauerampfer-Suppe kosten dürfen? Hier sollte man auf jeden Fall nicht darauf verzichten. Diese wird zusätzlich mit Eierflocken verfeinert und mit Sauerrahm gereicht – köstlich! Auch aus Banalitäten, wie dem einfachen Buchweizengrieß, schaft es der Koch mit wenigen Zutaten eine kleine Gaumenfreude zu zaubern. Wer die ganze Karte durchprobieren möchte, sollte einige Tage dafür einplanen.

Gastfreundliche Bedienung, die neben russisch selbstverständlich auch englisch spricht, rundet das gesamte Erlebnis ab. Wer also einen warmen Empfang in Sankt Petersburg braucht, der ist im Teplo sehr gut aufgehoben.

Wo befindet sich das Restaurant „Teplo“ in Sankt Petersburg?

Restauran Teplo

Rue Bolchaïa Morskaïa, 45

190000 Sankt Petersburg

Russland

Veröffentlicht unter Ausgehen, Essen, Sankt Petersburg | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Samba-Nächte in Sankt Petersburg

Unverhofft kommt oft! Das mussten wir feststellen, als wir an unserem letzten Abend in Sankt Petersburg nach dem Essen in einem der schönsten Restaurants Sankt Petersburgs „Teplo“ noch einen kurzen Spaziergang vom Festland auf die Wasilewski-Insel über die Hofbrücke unternahmen.

Direkt auf der Spitze der Insel (der Strelka), an der zwei rote Säulen – ehemalige Fackel-Leuchttürme stehen, bot sich uns folgendes Schauspiel:

> Video: Sankt Petersburger Samba (Danke für diese iPhone-Momentaufnahme an Bertram.)

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich ebenso überrascht wie fasziniert war, diese Menschenmassen im nordischen Sankt Petersburg beim gemeinsamen Sambieren anzutreffen. Dabei liegt die Betonung nicht auf -bieren, denn das für Deutschland erstaunliche war, dass die Menschen (abgesehen von ein Paar zuschauenden Touristen) keinerlei alkoholische Getränke zu sich nahmen. Da kann man getrost sagen – der Russe kann auch ohne Alkohol Spaß haben. 🙂

In der surrealen Kulisse wirkte es kaum befremdlich, dass die Hälfte der Besucher auf dem Platz knallharte Biker waren, die ansonsten zu jeder Tages- und Nachtzeit mit ihren lauten Motoren (die Russen legen wenig Wert auf Lärmschutz) in der gesamten Stadt auf sich aufmerksam machen.

Auf der südlichen Seite der Strelka (wieder auf dem Rückweg) unter dem baugleichen ehemaligen Leuchtturme tanzten verliebte Pärchen zu diversen russischen und europäischen Schnulzen. Besonders in Erinnerung bleibt mir aber dieses Lied von Garou, zu dem ein begnadetes Pärchen gefühlt beinahe Schwanensee nachtanzte.

„Je suis le même, Saint-Pétersbourg!“

Wo liegt der Börsenplatz mit der Strelka?

Sankt Petersburg, Russland

Veröffentlicht unter Kuriositäten, Sankt Petersburg | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Lebensaufgabe – Russlandreise

Auferstehungskirche in Sankt Petersburg/Russland

Bluterlöser-Kirche in Sankt Petersburg

Gefühlt ist es so, als hätte ich kaum den letzten Artikel im Flieger nach Sankt Petersburg geschrieben. Nun sitze ich vier Tage später wieder im Flugzeug; dazwischen liegen unerwartet ausgelassene Tänze zu Samba sowie russischer und französischer Popmusik am Börsenplatz, eine lange Nacht bis in die Morgenstunden im Irish Pub unweit des Hofplatzes, ein Peterhof-Ausflug und einiges mehr. Doch dazu später etwas ausführlicher – jetzt geht es wieder zurück nach Deutschland.

Die A321 summt gleichmäßig über Estland, Lettland, Polen und Deutschland als wäre sie eine russische oder gar sowjetische Lok. Diese summten ähnlich als sie in meiner Kindheit an dem altaischen Heimatdorf in Richtung Ost-Kasachstan oder Süd-Altai vorbeizogen. Es kommen mir zumindest einige Töne so sehr vertraut vor, dass mir nur noch das obligatorische Tum-dum-tum-dum der Räder auf den Schweißnäten der Gleise fehlt.

Meine Reisebegleiter Rocco, Bertram und Georg genießen lesend den Flug – das überladene Programm unserer Reise zeigt seine Wirkung. Vier Tage sind eine zu kurze Zeit, um Russland und sei es nur ein Teil von Sankt Petersburg zu erkunden. Das wird mir mal wieder bewusst, als unser Airbus Pulkowo-2, den internationalen Flughafen von Sankt Petersburg in östliche Richtung verlässt und der Kapitän bereits nach 10 Minuten in einer Rechtskurve in Richtung Riga die Maschiene auf Kurs bringt – hätte er es nicht getan, lägen noch mindestens 7 Stunden Flug vor uns, bis wir die östliche Grenze des Riesenreiches in den Morgenstunden des folgenden Tages erreicht hätten. Diese Dimmensionen benötigen Jahre und nicht Tage – eine Lebensaufgabe.

Veröffentlicht unter Russland, Sankt Petersburg | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fliegende Reiseleitung über der Ostsee

Während unser A319-100 unter dem schönen Namen Schönefeld die polnische Stadt Danzig passiert, bleibt etwas Zeit, um sich auf die Stadtführung (Reiseleitung) vorzubereiten.

Seit letztem Jahr (2012) habe ich es mir angewöhnt, für die Städtereisen nach Russland, bei denen mich Freunde begleiten, einen groben Plan auszuarbeiten und jedem Reiseteinehmer die Sehenswürdigkeiten als „Hausaufgaben“ aufzugeben, zu denen sie kurze Vorträge halten können.

So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe; die Freunde lernen was über die Städte, ohne dass sie sich selbst Gedanken über die Reiseroute und die russische Sprache machen müssen und ich habe auch noch etwas vom Reisen, ohne permanent Quatschen zu müssen.  😉

Lonely Planet Russia

Lonely Planet Russia: Künftiger Begleiter auf Russland-Reisen

Dennoch macht es Spaß an der einen oder anderen Stelle mit Russland-Wissen glänzen zu können. Also wird jetzt während des Fluges der neue Lonely Planet „Russia“ bemüht, den mir meine leipziger Freunde (Danke!) kürzlich zum Geburtstag geschenkt haben…

…“342 Brücken umspannen die Sankt Petersburger Kanäle und Wasserwege“*, so frei übersetzt der Lonely Planet. Derweil überquert die Schönefeld den Golf von Riga.

Labdien Latvija! 🙂 Aber das ist eine andere Geschichte.

* Anmerkung: Laut der Hop-on-hop-off Bus-Informationen sind es gar 600 Brücken! Ob der Lonely Planet Russland oder die Busgesellschaft recht hat, muss ich wohl auf meiner nächsten Sankt Petersburg Reise herausfinden.

Veröffentlicht unter Russland | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar